Teil II
Es ist an der Zeit, die Legendenbildung über Mundstücke zu beenden, aber andererseits auf den legendären Klang gewisser Saxophonisten zu verweisen. So ist es zutreffend und auch wiederum nicht, dass z.B. Saxer/innen auf dem Mundstück XY besonders gut klingen. Nicht das Mundstück allein macht den Klang, sondern die Person die dafür geeignet ist, oder auch nicht! Hierbei gibt es verschiedene Faktoren, die alle zusammen Einfluss nehmen und das Endprodukt Klang hervorbringen. Welche Musik auch gewählt wird um zu musizieren, eines sollte bei den Saxophonen klar sein, dass die physikalische Gesetzmäßigkeit von Klang hier nicht so ganz zutrifft. Natürlich folgt das Erweiterungsmaß auf einer gewissen Länge (Mensur) einer Konstanten. Diese Konstante ist aber nicht genau, eben so wenig das Verlängern oder Verkürzen der Klangsäule. Dennoch möchte ich den Versuch starten, die oft jahrelange Suche nach ``DEM`` Mundstück zu verkürzen. So wird dieSchnabeleinheit Mundstück abgehandelt, wie auch ansatzweise einige Kombinationen von Saxophonen und Mundstücken. Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Eigenschaften der Saxer/innen ein entscheidender Faktor sind!
1) Einführung Klang 2) Anatomische und musikalische Eigenschaften der Spieler/in (Lippenvolumen, Musikausdruck etc.) a) Lippenform und Dämpfung b) Musikverständnis und Vorlieben 3) Mundstück a) Material b) Mundstückspitzenaußenform c) Mundstückblattauflage ( Tisch/Bahn-Radius-Länge & ) d) Mundstückform/innen (Fenster/ Einlauf/Kammervolumen/Bohrung) 4) Kombinationen Saxophon u. Mundstück *Tabelle
1) Einführung Klang (Saxophon) Die Faszination des Klanges beim Saxophon ist nicht der einzelne Ton an sich, sondern das Mitschwingen von anderen Tönen und somit Frequenzen. Der einzelne schwingende Ton, z.B. 440 Hz, ist kein Klang, denn er ist nur eine reine Sinusschwingung mit der Frequenz 440 Hertz (Schwingungen pro Sekunde). Spricht man von Klang, dann ist es die Zusammensetzung von Tönen, die in einem ganzzahligen Verhältnis zur Frequenz des tiefsten vorkommenden Tons stehen. So hat ein Klavierton von 440 Hz (und eigentlich muss man von Klang sprechen) noch die Frequenzen 880 Hz, 1320Hz usw bis zu 10-20 Obertönen. Geräusche sind dagegen gemischte Töne, die nicht nach dieser Gesetzmäßigkeit zusammengesetzt sind. Wenn man sein Saxophon stimmt (auf 440 Hz), dann schwingt zwar die Hauptsinuswelle, in diesem Fall der Stimmton, am lautesten, wird aber von höheren (und beim Saxophon auch tieferen) Wellen begleitet. Beim Saxophon gibt es aber gemischte Töne, die eher den Geräuschen zuzuordnen sind als den Klängen. Insbesondere bei modernen Saxophonen mit engen MP verhält sich dieses Spektrum der Oberwellen mehr oder minder chaotisch und hat somit einen gewissen Bereich (kontinuierliches Spektrum), wo alle Frequenzen vertreten sind. So kann man sagen, dass bei älteren Saxophonen eher der Klang dominiert, während bei modernen Saxophonen mit modernen MP eher das Geräusch dominiert. So entsteht der Eindruck, dass moderne Saxophone + MP offener und lauter klingen, weil ja fast alle Frequenzen vorhanden sind. *(Dennoch kann man ein altes Saxophon (parabolische Bauweise) im Rahmen des o.g. Klanges noch viel lauter spielen, denn die Transformation war vor 65 Jahren ein Muss, weil es kaum die Mikrofon + Abnahmetechnik gab wie heute!) Die Tatsache, dass dieser hohe ` Geräuschanteil` über das Klappensystem kanalisiert wird, kann nicht den Eindruck von Homogenität im Sinne des o.g. Klanges entsprechen! Sehr oft intonieren Anfänger auf diesem Instrument zu hoch, was aber mehr an dem hohen Geräuschanteil (Summierung von allen höheren Frequenzen) liegt, den moderne Saxophone und Mundstücke hervorbringen. Abhilfe schafft hier nur eine andere Mundstückwahl oder eine extrem variable Ansatztechnik. Gleichwohl baut die moderne Musik immer häufiger im Laufe der Zeit diese Geräuschanteile mit ein, weshalb auch diese Entwicklung im Klang von Saxophonen mit eingeflossen ist. 
2) Anatomische und musikalische Eigenschaften der Spieler/in (Lippenvolumen, Musikausdruck etc.) a)Lippenform und Dämpfung Das schwingende Blatt wird zum einen durch die Bahn und deren Kurve in seiner Amplitude (Hin u. Herbewegung) begrenzt, zum anderen aber durch die Unterlippe der Spieler/innen. Würde man nun einen offenen tiefen Ansatz wählen, könnte das Blatt nun auf der gesamten Bahn schwingen, wobei dann die Lippenform wie auch die Muskulatur fast keinen Einfluss hätte. Dieser erzeugte Klang wäre schwer zu kontrollieren, nur allein durch den Luftstrom. So ist es üblich, auch beim modernen offenen Ansatz, die Blattschwingung durch die Unterlippe in ihrer Amplitude zu kontrollieren, um somit wiederum die Intonation und Stärkegrade (ppp-fff) des Spielens zu formen. Anders als Mundraum, Kehlkopf, u. Atmungsorgan indirekt am Klang beteiligt sein können, ist die Unterlippe direkt und unmittelbar am Klang beteiligt. Sie wirkt nicht nur korrigierend, sondern auch je nach ihrer Größe dämpfend auf die Blattschwingung ein. Wenn auch die Bahnlänge beim Saxophonmundstück nicht einen ganz so großen Einfluss hat wie z.B. bei der Klarinette, ist sie doch von wichtiger Bedeutung, wenn es um die anatomischen Eigenschaften der Spieler/innen geht. Wählt ein Spieler mit einer recht dicken Unterlippe eine kurze Bahn, so wird er versuchen, die mangelnde Kontrolle über größere Bahnöffnungen zu kompensieren, was aber zur Folge haben kann, das die oft zu große Blattamplitude eine höhere wie abrissige Intonation mit sich bringt. Wählt ein Spieler mit sehr schmalen Lippen eine lange Bahn, so wir er hier versuchen, die mangelnde Kontrolle durch einen kurzen Ansatz zu kompensieren, was aber zur Folge haben kann, dass Luft an der längeren Bahnöffnung entweicht und oft ŽquietschenŽ hervorbringt. Deshalb, je größer die Unterlippe, je länger muss die Bahn gewählt werden, und zum Teil auch weiter geöffnet! Lippenform -à | Schmal | Mittel | Dick | Kurze Bahn * | X | O | O | Mittlere Bahn ** | X | X | X | Lange Bahn *** | O | X | X | | | | | Alto Bahnlänge | 15- 24mm | 23-26mm | 24-28mm | Tenor Bahnlänge | 20- 25mm | 24-28mm | 25-30mm | Bariton Bahnlänge | 22- 26mm | 25-30mm | 27-32mm |
*Wenn auch die mittlere Bahn einen guten Kompromiss darstellt, so sollten Intonations- wie Klangprobleme nicht generell über größere Bahnöffnungen, sondern mal über längere und somit flachere Bahnen gelöst werden !
2b) Musikverständnis und Vorlieben Viele Spieler/innen haben sich weit vor der Entscheidung Saxophon zu spielen auch schon mit Musik beschäftigt oder mochten zumindest gerne Musik hören. Ob nun in einem Musikstudium, in einer Band, Kapelle, Musikverein oder beim Klönen und Tanzen in einer Bar, Kneipe, Disco, auf einem Konzert. Auf jeden Fall hat sie die Faszination vom Klang dieses Instruments erfasst und wird bei manchen zu einer Sucht im positiven Sinne, und das ein Leben lang. Die Begeisterung für Musik mit diesem Instrument über ein Jahrhundert hinweg zeigt eindeutig die Unsterblichkeit dieser genialen Erfindung des Adolphe Sax ! Begreift man Musik und Musikstücke als Ausdruck des Lebens, dann ist es dieses Instrument, das fast alle Facetten des Erlebten, Geliebten und auch Erlittenen in direkter Weise zum Ausdruck bringen kann. Es kommt nicht von ungefähr, dass ein Leben mit diesem Instrument oft die Kommunikation mit der Außenwelt über dieses Instrument ersetzt oder zumindest ergänzt. Es scheint so zu sein, dass die musikalische Empfindung höher angesiedelt ist als die Sprache schlechthin. So wie Freude oder Tränen eine Ehrlichkeit abgewonnen wird, so scheint der musikalische Ausdruck der Empfindungen auf diesem Instrument authentisch zu sein. Und so ist es auch nicht abwegig, dass so einige Saxophone vom Hersteller, Volksmund, oder einem selbst, persönliche Namen bekommen haben. Der musikalische Anspruch des/der Einzelnen resultiert in den meisten Fällen aus der Musikdekade in der/die betreffende Spieler/in ihre musikalischen Erfahrungen machten und Vorlieben gewonnen haben. So wie für viele in Deutschland der Jazz der Nachkriegsjahre und 50er unvergesslich wurde, so ist es bei Jüngeren entsprechend ihrer Zeit und musikalischen Entwicklung der Rock & Roll, Beat, Rock , Blues, Jazz der 60er,70er,80er, Pop, Worldmusik prägend ! Aber auch nichtselten trifft man bei Jüngeren eine akribische musikalische Zeitreise an, so dass es nicht verwunderlich ist, dass Dixie, Swing, Be Bop und frühere Musikdekaden im Spiel anzutreffen sind. Gleichwohl macht es noch einen gewaltigen Unterschied, in diesen Musikdekaden gelebt zu haben oder es nachzuempfinden, weshalb es sich auch niederschlägt im Spiel und Ausdruck älterer Spieler/innen! Aus dieser Betrachtungsweise heraus ist es schon von Bedeutung, welche Zusammenstellung von Saxophon und Mundstück gewählt wird. Denn wie wir wissen, ist die Entwicklung von Saxophonen und Mundstücken mit den Musikdekaden entsprechend den Vorlieben Hand in Hand gegangen.
3) Mundstück a) Material Kein Mundstück gleicht haargenau einem anderen, weshalb Vergleiche mit Materialien sehr ungenau sind. Selbst bei Lawton ist dieses fast gleich (Metall/Kautschuk) relativ ungleich. Ohne Zweifel kann Material bei einem Saxophonkorpus Wirkung haben, allein aufgrund der geringen Materialdicken, wie z.B. Flöten oder Orgelpfeifen. Aufgrund der geringen Baulänge und doch relativ dicken Materialstärke kann, wenn überhaupt, nur Körperschall entstehen. Dieser Körperschall kann zwar über die Zähne gespürt werden (ohne zusätzliche Bissplatte), aber er schlägt selbst bei einem hochqualitativen Messmikrofon nicht zu Buche, da der Körperschall des Saxophons selbst im PPPiano viel zu groß ist. Dennoch sollte Material relativ dimensionsstabil (hart) sein, um eine genaue Bearbeitung zu ermöglichen. Eine Fräse kann schon mal zu weichen Kautschuk um bis zu 2/10 mm wegdrücken. Kautschuk wird zum einen so dick gewählt, damit die besagte Dimensionsstabilität gegeben ist, und zum anderen soll eine entferntere Blattstellung zur Bohrungsmitte einen milderen Ton erzeugen, was aber eher ein weitergegebener Erfahrungswert ist, der noch mit anderen Faktoren zusammenhängt als mit der alleinigen Behauptung `Kautschuk klingt weicher` ! 
Wer schon mal ein altes Master Link angespielt hat, wird feststellen, dass es verdammt weich und warm klingt. 
Ebenso kann ein Brilhart Tonalin a la Louis Jordan, doch recht hart und voller Power klingen.
3b) Mundstückspitzenaußenform Von nicht unwesentlicher Bedeutung für das `Spielgefühl`, besonders bei recht kleinen oder großen Mundöffnungen der Spieler/innen, ist die Mundstückspitze in ihrer Außenform. So kann es schon passieren, dass sich bei längerem Spiel eine Verkrampfung des Kiefers einstellt, weil die Spitze des MPC zu groß oder klein gewählt wurde bzw. keine adäquaten MPC gefunden wurden. Betrachten wir einmal die Mundstückspitzenaußenform, dann können wir mehr oder minder einen Schnabel oder sogar `Entenschnabel` entdecken. Dieser ist bei Metall-MPC recht schmal und bei Kautschuk-MPC etwas dicker. Hierbei haben Hersteller sich gelegentlich die Mühe gemacht einen ergonomischen `Schnabel` anzuformen, bei Metall wie auch bei Kautschuk MPC. Es ist aber in gewissen Grenzen möglich, nachträglich einen großen geraden Metall- oder Kautschukschnabel zu bearbeiten.
Entenschnabel (Duckbill)
Gerader Schnabel (Straightbill) |
Gerader Schnabel (Straightbill)
Halb-gerader Schnabel (Half-straightbill) Entenschnabel (Duckbill) |
3c) Mundstückblattauflage (Tisch, Bahn-radius -länge) 
Der Tisch, auf dem das Blatt aufliegt, muss nicht nur eben sein, auch eben im Verhältnis zum Bahnradius, d.h. das Blatt darf nicht schräge stehen zur Bahnöffnung. Schiebt man bei eingespanntem Blatt ein 80g/qm Papier in die Bahnöffnung, dann darf das Papier nicht schräge stehen. Da das Blatt ein Naturprodukt ist, kann es ein wenig schräge stehen, wie auf dem Bild allerdings nicht, da würde sich auch ein feuchtes Blatt nicht ausgleichen lassen! Es würde durch die Unsymmetrie quietsche
| | Bahnlg-> Bahnöffnung | Kurve 1 R=115 Alto Bahnlänge | Kurve2 R=125 Tenor Bahnlänge | Kurve3 R=135 Bariton Bahnlänge | | | 2,0 mm * | 21,5 mm | 22,5 mm | 23,0 mm | | | 2,1 mm * | 22,0 mm | 23,0 mm | 23,8 mm | | | 2,2 mm * | 22,5 mm | 23,5 mm | 24,5 mm | | | 2,3 mm ** | 23,0 mm | 24,0 mm | 25,0 mm | | | 2,4 mm ** | 23,5 mm | 24,5 mm | 25,5 mm | | | 2,5 mm ** | 23,9 mm | 25,0 mm | 26,0 mm | | | 2,6 mm ** | 24,4 mm | 25,5 mm | 26,5 mm | | | 2,7 mm ** | 24,8 mm | 25,9 mm | 27,0 mm | | | 2,8 mm ** | 25,2 mm | 26,3 mm | 27,5 mm | | | 2,9 mm ** | 25,8 mm | 26,8 mm | 28,0 mm | | | 3,0 mm ** | 26,2 mm | 27,2 mm | 28,5 mm | | | 3,1 mm*** | 26,5 mm | 27,8 mm | 28,9 mm | | | 3,2 mm*** | 27,0 mm | 28,2 mm | 29,2 mm | | | 3,3 mm*** | 27,6 mm | 28,6 mm | 29,7 mm | | | 3,4 mm # | X | 29,0 mm | 30,2 mm | | | 3,5 mm # | X | 29,6 mm | 30,6 mm | | | 3,6 bis 5,2mm## High hub Mit 0,5-1,5 Blättern | X X | 30,0 bis 35,5 mm | 31,0 bis 37,4 mm | * = Anfängerbereich ** = Semi+Profibereich ***= Profi u.Insiderbereich # = Spezialbereich(Super big Lips) ## = Absoluter High Hub, special Artist
|
Der Bahnradius/länge hat auf die Ansprache einen nicht minderen Einfluss, ebenso wird über diesen Radius (Kurve) die Amplitude der Blattschwingung definiert. Eigentlich sollte sie einem Kreisabschnitt entsprechen, aber es sind auch logarithmische oder andere Kurven anzutreffen. (Amplitude: maximaler Ausschlag des Blättchens während der Schwingung) Dass Subton nur auf stark gekrümmten Bahnen geht, dem muss ich entschieden widersprechen. A.R. Brilhart wählte den großen 5 inch Radius (127mm), und seine MP konnten sanft (Subton) wie gut zentriert oder auch brüllend klingen. Aufgrund vieler verschiedener Blattstärken kann ich nur eines ausschließen, die zu kurzeBahn, d.h. folgt die Bahnkurve einem Radius, dann gilt: Bahnlänge sollte mehr als das 10fache der Öffnung sein! Beispiel: Alto Öffnung 2,12 mm, dann mindestens 21,2 mm Bahnlänge. Wählt man eine geringere Bahnlänge und somit einen kleineren Radius, dann kann ein Zurücknehmen der Stärke erschwert werden bis hin zu unmöglich, und man kann nur noch Staccato oder Forte spielen. Die rechte Tabelle knüpft nicht an Herstellerbahnen an, gleichwohl welche darunter zu finden sind. Sie folgt einem Radius, welcher ein sehr gutes Anspracheverhalten wie Klangvolumen hervorbringt, richtiger Einlauf und entsprechende Kammer vorausgesetzt.
3d) Mundstückform innen (Fenster/Einlauf/Kammervolumen/Bohrung) Fenster und Einlauf , durch diese hohle Gasse muss die Schwingung (der Klang) gehen! Das Fenster oder dessen Länge ist zwar eher sekundär am Klang beteiligt, dennoch kann es über Tiefe und Offenheit des Klanges erheblichen Beitrag leisten. Das bedeutet, wenn die Blattschwingung mehr Platz hat um in die Kammer einzutreten, kann der Klang offener und tiefer werden. Bei mittelgroßen und großen Kammern sollten diese Werte aber nicht ganz ausgereizt werden, da sich dann auch die nächst tiefere Baugröße bemerkbar macht, woraufhin die Höhe (je nach Einlaufwölbung) abbrechen kann! Fenster von à | Alto Fensterlg. | Tenor Fensterlg. | Bariton Fensterlg. | Große Kammer | 35,0 bis 38,0 mm | 41,0 bis 44,0 mm | 51,0 bis 54,0 mm | Mittlere Kammer | 37,0 bis 42,0 mm | 43,0 bis 48,0 mm | 52,0 bis 56,0 mm | Kleine Kammer | 38,0 bis 43,0 mm | 44,0 bis 52,0 mm | 54,0 bis 58,0 mm |
Der Einlauf, der unmittelbar am Klang beteiligt ist, hat eine größere Bedeutung. Kann man denn sagen, dass Ben Webster oder Illinois Jacquet (Masterlink + Tonemaster, große Kammer, wenig Einlaufwölbung) einen stumpfen Ton haben, mit wenig Höhe? Wohl kaum! Natürlich sollte eine kleine Wölbung am Einlauf vorhanden sein, damit das Blatt überhaupt einen unverzögerten Impuls bekommt, aber entscheidend ist die Kanalisierung. Was nützt die beste Einlaufwölbung (Baffle) wenn es nur zum Bogenrand kanalisiert wird. Wenn eine ausgeglichene Klangfarbe vom PPPiano bis zum FFForte der Wunsch ist, dann ist die Schräge der Gegenwand und somit die Stellung zum Bogeneingang genauso entscheidend: Da haben gestufte MP oder mit starken Einlaufwölbungen, von der zu kleinen Kammer mal abgesehen, zwar sehr helle Klangfarben hervorgebracht, welche in der heutigen Musik zum Teil auch gewünscht sind, aber PPPiano geht nun mal nicht, oder nur schwerlich. Andersrum geht aber ein moderner Klang durchaus mit älteren MP (geringe Wölbung, mittlere bis große Kammer). Das beweisen Brilhart MP noch immer, Archie Shepp, Maceo Parker und viele mehr! Aus Gründen der Auslöschung von gewissen Tonanteilen sollte die Einlaufwölbung nicht mehr als 1/3 der Bahnlänge betragen und auch nicht zu hoch sein, da die höheren Teilfrequenzen wieder am Bogenrand landen und durch einen Rückstau zum Quietschen neigen. Die klarere Einlaufwölbung ist mit einer Rundung (Roll-over), sie sorgt für eine gute Impulsansprache und kann bei entsprechender Positionierung und Kammervolumina ein fast vierfaches Piano möglich machen. Weiterhin kann man sehr leicht überblasen ohne die Oktavklappe zu betätigen, was Klangeffekten zu Gute kommt (Honken, Growl, etc.). Auch das Altisimo Register wird von dieser Wölbung forciert. Von Nachteil ist ihre Neigung zu höherer Intonation, was zu Stimmungsproblemen führen kann. Die flachere Einlaufwölbung (Roll off ) hat eine kleine Wölbung nach innen und wirkt etwas stabiler bezgl. der Intonation, hat ähnliche Eigenschaften wie der Roll-over, aber alles etwas reduzierter. Dennoch kann durch sie das mittlere Register hervorgehoben werden wie auch eine etwas härtere Tiefe. Der Klang bekommt eine etwas kratzige erdige Struktur. Der Roll off Baffle ist der Vorläufer zu den Stufen, weshalb er auch bei einigen MP eine kleine Abrißkante aufweisen kann.
Der Einlauf Die Stufe stellt eine klar definierte Klangfarbe in Aussicht und forciert die höheren wie mittleren Klanganteile. Je nach Ausführung, also Länge und Höhe, hat sie eine klare Abrisskante. In der Ansprache reagiert eine Stufe mehr im mittleren Register und erschwert die Stärkegrade je nach Ausführung. In der Tiefe bringt sie eher knatternde Töne hervor, welche im Piano nur mit Mühe spielbar sind. Je nach Ausführung hat sie auch im Altisimo mit Auslöschungen zu kämpfen (hohes G). Stufen verschieben die Lautstärke überwiegend in das mittlere Register, was oft an ein Kazzoo erinnert. Gleichwohl wird der moderne röhrende Saxsound überwiegend auf solchen MP hervorgebracht. Keine Einlaufwölbung, bis extrem geringe macht die Ansprache sehr sicher (besonders in der Tiefe), auch für den ungeübten Ansatz. Dennoch bedarf es einer recht flachen Gegenwand (Kanaliesierung), um ein entsprechendes Tonvolumen herzustellen. Eine sehr tiefliegende Gegenwand macht den Klang sehr stumpf . Dennoch hat es in diesem Bereich MP gegeben, die einen hervoragenden Klang in allen Stärkegraden hervorbrachten! Masterlink, Link slant sign.+Resochamber, Meyer True-flex, Vibrator, Brilhart Great Neck in: Hard Rubber, Personaline, Ebolin, Tonalin, Streamline und viele mehr. 
Das Kammervolumen (Aus patentrechtlichen Gründen keine Skizzen) Versteht man das Mundstück als Tongenerator für das konische Saxophonhorn, dann ist eine Vorkammer zur Einleitung in den Bogen erforderlich. Wie man eine Trompete über innere Ventilwege als geschlossenes Prinzip* sehen kann, so kann man das Abschneiden der Tonsäule durch Tonkamine als offenes Prinzip* betrachten. Die Bezeichnung Offen/Geschlossen bezieht sich in diesem Zusammenhang auf die Klangeigenschaften und Bauformen der Hörner an sich! (*Nicht verwechseln mit einseitig geschlossener Röhre=Klarinette, oder offener Röhre=Trompete) (Vom Prinzip ist es ähnlich dem Rear + Front loaded Horn im Lautsprecherbau. Ein Rear rückgeladenes Horn strahlt die tiefen Frequenzen über das Horn ab, und die hohen Frequenzen direkt vom Lautsprecher.) Beim Saxophon verhält es sich ähnlich, wobei die hohen Frequenzen über die Tonkamine abgestrahlt werden (Verkürzung der Tonsäule), und die tieferen Frequenzen über das fortlaufende Ende vom Horn. Dies geschieht nicht so extrem wie bei Lautsprecherhörnern, so dass noch sehr viele mittlere Frequenzen über den Saxophonbecher abgestrahlt werden. Konische, parabolische, hyperbolische, und exponentielle Hörner benötigen immer eine Kammer, die den generierten Klang in das Horn leitet. Diese Kammer wird bestimmt von der Gesamtfrequenz die das Horn wiedergeben soll(z.B. Tenor 103-659 Hz) Gehen wir nun davon aus, das die Kammervolumina in dem Buch *DIE SAXOPHONE* (Band 35 Ventzke, Raumberger, Hilkenbach) richtig sind, dann bedeutet das: Sopran=6,7-7,4 ccm /Alto=12,2-14,9ccm / Tenor= 16,0-20,4 ccm / Bariton 22,8-24,6 ccm Hier stellt sich die Frage, was ist die Kammer und was die Bohrung? Verschließe ich ein Otto Link STM (kurze Version) aus den 80er, an der Bohrung nur mit dem Daumen, fülle dann mit einer Spritze, Wasser über das Fenster in das MP, dann messe ich 17,2 ccm (Baulänge des MP = 100,5mm) Dann nehme ich ein Berg Larsen 2 auch 100,5mm lang, und messe 14,9 ccm. Das moderne Mundstücke in ihrem Gesamtvolumen, nicht einmal die erforderliche Größe der Kammer haben, ist mehr als bedenklich! Diese Bedenklichkeit, führte mich dazu eigene Berechnungen anzustellen, mit folgendem Ergebnis: Die angegebenen Kammervolumina sind ungefähr richtig, aber sie beziehen sich nicht auf die gesamte Baulänge ! Woraufhin sich bei modernen MP, die Kammer noch mal verkleinert! Extrem enge Tenor Mundstücke, erfüllen kaum noch das Volumen einer Alto Kammer! Probleme bei Spieler/innen sind vorprogrammiert, und haben dann wenig mit mangelnder Spielpraxis zu tun, wenn auch Profispieler/innen sich darauf verstehen dieses Manko teilweise auszugleichen!
4) Saxophon und MPC Kombinationen Nachfolgende Tabelle zeigt einige Kombinationen aus Sicht eines homogenen Klangbildes. Homogen in dem Sinne, das zur Zeit der alten Goldbeck, Masterlink, Tonemaster, und Brilhart, Mundstücke , eine Differenzierung zwischen Klassik und Jazz so wie nach heutigen Stand nicht gemacht wurde. Die Tabelle erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit! Saxophonmodell | Mundstück I. | Mundstück II. | Mundstück III. | Buescher True Tone | Masterlink Link Four**** | Brilhart Rubber +Personaline #L# | Mc.Gregor +Buescher orig. | Buescher 400 Big Bell | Link Four**** Tonemaster | Brilhart Tonalin Brilhart Ebolin | Buescher white True Tone | Buescher Aristocrat 40er | Link Four**** Tonemaster | Rascher Buescher orig. | Brilhart Rubber+ Personaline #L# | Conn M-modelle bis 1922 | Masterlink Link Four**** | Conn Standard Goldbeck | Brilhart Rubber Link slant Sign. | Conn M-modelle bis 1934 | Link Four**** Link Tonemaster | Brilhart Ebolin Brilhart Tonalin | Link Reso-chamb. Vibrator | Conn M-modelle nach 1934 | Link Tonemaster Bobby Dukoff | Brilhart Ebolin Brilhart Tonalin | Brilhart Special+ Personaline #S# | Martin bis Serial No. 100000 | Masterlink Link Four**** | Brilhart Rubber Link slant Sign. | Martin orig. Mc.Gregor | Martin nach der Serial No.100000 | Link Tonemaster Bobby Dukoff | Brilhart Tonalin Meyer N.Y. med. | Martin orig. Link Reso-chamb. | King Vol True 1+2 + Zephyr | Link Tonemaster Bobby Dukoff | Brilhart Ebolin Brilhart Tonalin | Link slant Sign. King vol true | King Zephyr special+Super 20 | Link early Babbit Guy Hawkins | Brilhart Special King-T white | King-vol-true Selmer Air flow L | ---------------------- | ---------------------- | ---------------------- | ---------------------- | Selmer Mod.21 bis 26 | Masterlink Link Four**** | Selmer Air flow L=large Chamber | Buffet Large Chamber | Selmer bis 1936 | Masterlink Link Four**** | Selmer Air flow L div. Ebonit france | Buffet Large div. Ebonit france | Selmer bis 1954 | Link Tonemaster Bobby Dukoff Selmer Stentor | Selmer Soloist Selmer Airflow S | Vibrator france Vandoren Perfect. | Selmer nach 1954 | Selmer Jazz Selmer London Bobby Dukoff Guy Hawkins | Selmer Soloist Selmer Gold.Tone Brilhart Streamli. Personaline #S# | Vibrator france Connetable swing Link Reso-chamb Vandoren Perfect. | ---------------------- | ---------------------- Metall- Modell | ---------------------- Kautschuk-Modell | ---------------------- Kautschuk soft alternativ Modell |
von H.W. Peters
|